Rückblick 2002 - Bali
Als ich die Nachricht vom Anschlag auf Bali gelesen, gesehen und gehört
hatte, ging mir die Nachricht nicht wirklich nahe, auf jeden Fall viel
weniger als beim Anschlag vom 11.9.01, obwohl ich dort niemanden gekannt
hatte.
Später wurde bekannt, dass unter den rund 200 Opfern auch Schweizer zu
beklagen waren. Das wäre ja auch nicht weiter eine Überraschung, gibt
es doch überall Touristen, so auch aus Deutschland, Österreich oder auch
der Schweiz. Mit der Zeit wurden immer mehr Details bekannt. Von den Schweizer
Opfern hiess es, sie waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Beim einen
Opfer konnte man die Identitätskarte erkennen, welches vereinfachen konnte,
das Opfer zu identifizieren.
Nach wenigen Tagen wurde in den Medien bekannt gegeben, um wen es sich
bei den Schweizer Todesopfern handelte. Bekannt wurden: Alter: 20 Jahre,
Name: Seraina L., Wohnort: Landquart. Landquart, das betrifft mich ja,
schliesslich bin ich in Landquart aufgewachsen. Ich hab mir überlegt,
ob ich eine Seraina kenne. Auf einmal kam dann ein Telefonanruf von
meiner Mutter. Ob ich von dem Anschlag auf Bali gehört habe. Ich antwortete,
dass ich weiss, eine 20jährige Seraina L. sei dabei ums Leben gekommen.
Meine Mutter wusste mehr: Es war Seraina Liesch, der Nachname wurde vollständig.
Als ich den ganzen Namen gehört hatte, musste ich doch mehrmals schlucken
und ich war geschockt. Ausgerechnet Liesch, das war mein erster Gedanke.
In meiner Primarschulzeit hatte ich eine Schulkollegin namens Regina Liesch,
sie hatte eine ältere Schwester namens Livia und eine jüngere Schwester
namens Seraina! Genau diese Seraina starb bei Ihren Ferien auf der Insel
Bali, bei diesem feigen, todbringenden Anschlag.
Ich glaube, ich habe das erste Mal in meinem bisherigen Leben eine Trauerkarte
geschickt. Ging in den nächsten Tagen in diverse Geschäfte und suchte
eine Karte aus, die dem entspricht, was ich gerade fühlte. Ich wollte
auch nicht einen Standarttext nehmen für meine Kondolierung, sondern eigene
Worte finden, die ausdrücken, was ich empfinde und für die Familie fühlte.
Ich lag öfters wach am Abend, weil mich dieser Schicksalsschlag sehr beschäftigte.
Schlussendlich fand ich meine Worte, die ich der Trauerfamilie mitteilen
wollte.
Ihr Lebenskreis hat sich geschlossen
viel zu früh musste sie von uns gehen.
Sie hat ihr Leben bis zuletzt genossen.
Was bleibt, ist die Erinnerung
und die Hoffnung auf ein Wiedersehen
In stiller Trauer
Diese Zeilen habe ich dann abgeschickt. Ich musste dafür wirklich lange
überlegen. Schliesslich wollte ich nicht zu heftige und nicht zu nichtssagende
Worte nehmen. Wenige Tage später kam dann auch die Todesanzeige in der
Zeitung, in der schwarz auf weiss nochmals bestätigt wurde, was uns alle
schockiert hatte.

Wenn man das Datum anschaut, gleich oben: 17. Oktober - mein Geburtstag.
Ich war zwar an besagtem 23. Oktober, an dem die Beerdigung war, in Landquart,
hatte aber zu der Zeit einen Vorstellungstermin, sonst wäre ich mit Sicherheit
hingegangen.
Das waren meine Gedanken zu dem Anschlag von Bali. Ich werde sicher jedes
Jahr daran denken, weil mich dieses Opfer ziemlich berührt hatte. Es wird
wohl immer so bleiben, genau wie beim Anschlag auf die Twin Towers in
New York.
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